Gemeinde Oberlienz in Osttirol

Ortschronik

FRÜHE NEUZEIT

 

1680

  • Gruftkapelle „das Grüftl": Eine Gruppe von Gewölben, eingebaut von der Lienzer Bauhütte, lässt sich mit jener von St. Ulrich in Oberthal (1686), der Kapelle St. Josef in der Aue (1688) und dem Gewölbe der Oberlienzer Friedhofkapelle („Grüftl") zusammenfassen. Wenn auch den Stuckrippenstruk­turen der Blütenstern zugrunde liegt, ist er hier den­noch bereits vereinfacht. Wohl auch dieses Gewölbe dürfte um 1680 entstanden sein. Vielleicht bezieht sich die an der Seccomalerei einer Landschaft mit der Stadt Jerusalem auf der Westwand (innen) erhaltene Jahres­zahl „1678" nicht auf die Malerei, sondern auf das Gewölbe!

 

1679 und 1680

  • „Die Perloger Hexe“: Emerentiana Pichlerin befand sich 1679 beim Perlogerhof ob Lesendorf in einem Zuhäusl. Dort wurde sie zusammen mit ihrer Mutter und ihren vier Kindern (Michael 14, Anna 12, Sebastian 9 und Maria 6 Jahre alt) von den Gerichtsschergen auf­gegriffen und ins Verlies auf Schloß Bruck geworfen. Beim ersten Verhör im Oktober 1679 beteuerte die Pichlerin zwar immer ihre Unschuld und rief dafür Gott und Maria als Zeugen an. Auf Androhung der Tortur (Folter) bekannte sie jedoch, mit ausgestreutem Quecksilber Mensch und Tier krumm gemacht zu haben. Sie gestand weiters, gezaubert und Wetter gemacht zu haben. Der beabsichtigte Schaden sei aber durch das Wetterläuten verhindert worden. Nach phan­tasievollen Selbstbeschuldigungen widerrief sie wieder alles und beteuerte ihre Unschuld. So zogen sich die zermürbenden Verhöre - insgesamt mehr als 60 - über zehn Monate hin. Sie wurde zuerst erdrosselt, dann ent­hauptet und daraufhin verbrannt, sonst wäre sie bei lebendigem Leibe verbrannt worden. Die Kin­der Michael und Anna wurden enthauptet. Die Urteile wurden am 25. und 27. September 1680 auf der Galgentratte bei Lienz vollzogen. (Galgentratte zwischen Minekugel und Nussdorf gelegen, heute erinnert eine Gedenkstätte an den Franzosenkrieg)

 

1678

  • Die Geschichte der Dorfschule beginnt schon im Jahre 1678. Mathes Maurer war der erste Schulmeister von Oberlienz.

 

1675

  • Kirche Oberdrum: Der Lienzer Maler Johann Hoffmann erhielt als Arbeitslohn die sehr große Summe von 22 Gulden, 27 Kreuzern. Obwohl Hofmann zwar als „kunstreicher Maler" galt, führte er doch auch „normale Malerarbei­ten" durch. Dies könnte die Ausmalung der St. Georgs­kirche betroffen haben. Aus dieser Abrechnung geht hervor, daß der Kirchenbau 1675 mehr oder weniger abgeschlossen worden ist. Das Gewölbe des 17. Jahr­hunderts, in vier Joche unterteilt, auf kräftigen Wand­diensten ruhend, mit zarten Stuckrippen sowie Stuck­medaillons, ist unversehrt erhalten geblieben und kommt seit der Restaurierung des Gotteshauses beson­ders gut zur Wirkung.
  • Ab 1675 wurde in Salzburg ein großer Prozess gegen den sogenannten „Zauberjackl" abgewickelt. Dabei wurde auch Emerentianas Name (Emerentiana Pichler später genannt „die Perloger Hexe“) unter den Mit­schuldigen genannt. Sie befand sich zu dieser Zeit beim Perlogerhof ob Lesendorf in einem Zuhäusl.
  • Der Kirchenchor (Kirchensänger) scheint erstmals auf.

 

1672

  • Kapelle Trattner- oder Moserstöckl: Im Jahr 1670 wurde die St. Silvesterka­pelle in der Debant errichtet, ein achteckiger Bau mit Kuppelgewölbe. Gleichsam eine „Miniaturausgabe" die­ser Kapelle stellt das Trattner- oder Moserstöckl in Ober­lienz dar, dessen Innenmaß nur 2,5 m ausmacht. Die über dem Eingang angebrachte Jahreszahl 1672 wurde vor Jahren gedankenlos übertüncht.

 

1671

  • Kirchengeschichtliches: Die Pfarre Lienz hatte damals etwa 3000 Kommunionpflichtige - selbstverständlich im ganzen Pfarrsprengel, der ja alle umliegenden Dör­fer umfasste. Keiner ist als Häretiker oder als Unge­horsamer bekannt, was in Hinblick auf die Wirren im Defreggental bemerkenswert ist. (Protestantenvertreibung)

 

1670

  • Kirche Oberdrum: Das Gebilde von zwei ineinandergrei­fenden Blütensternen wurde auf die Kirche St. Georg in Gödnach (Gemeinde Dölsach) mit Abschluss der Arbeiten im Jahr 1670 und auf die St. Georgskirche in Oberdrum übertragen. Die Bauarbeiten umfaßten - bei Beibehaltung der Außenmauern des Langhauses - die Errichtung eines neuen Presbyteriums und den Einbau eines Gewölbes, verbunden mit dem Aufsetzen eines neuen Dachstuhles. Darüber gibt die „Kirchen- vnnd Pau-Raittung der Wierdigen Sannct Georg Kirchen in Oberdrumb" aus dem Jahr 1675 Aufschluß. Der Blütenstern Vierthalers, der sich jeweils auf ein Gewölbejoch erstreckt, eignete sich besonders gut für Zentralbauten.

 

1666

  • Kirche Oberlienz: Errichtung der Vorhalle mit der Jahreszahl 1666 im Dachstuhl.

 

1650

  • Kirchengeschichtliches: Die älteste Stiftung für Oberlienz datiert vom 28. März 1650 für eine Messe am Faschingsdienstag für Peter Heigl. Für Oberdrum datiert die älteste Stiftung vom 20. März 1684.16 Die Stiftsmessen auf St. Helena waren jedesmal mit Amt und Predigt zu halten, am Tag der Kreuzauffindung (3. Mai) und der Hl. Magdalena (22. Juli) zusätzlich mit einer Frühmesse. Bemerkenswert ist auch, daß in Oberdrum ein eigener unkonsekrierter Altar errichtet werden musste „wegen des in Oberdum für die Pfarre reichlich fließenden Opfers".

 

1649

  • Kreuzwegstationen: Helenekirche: In der Barockzeit sind in allen Gotteshäusern der heu­tigen Gemeinde Oberlienz die Kreuzwegstationen erneuert worden. Die ältesten sind jene von St. Helene, die noch aus dem 17. Jahrhundert stammen, datiert mit „1649", und ein sehr derbes Barock verkörpern.

 

1644

  • Wasser vom Schleinitz- u. Frantschenbach: Prozess unter den Oberdrumer Bauern. 1638 gab es ein Gerichtsurteil, dass der Abschied des Wassers genau geregelt ist.

 

1619

  • Gruftkapelle „ das Grüftl": Ein qualitätvolles Zeugnis des frühen Barock mit renais­sancehaften Anklängen ist in der Friedhofskapelle von Oberlienz, im „Grüftl", erhalten: ein Altar, gestiftet vom Lienzer Pfarrer Leo Leonhard Hönigler im Jahr 1619. Die Fertigstellung des Altares muß in der Zeit nach dem Tod des Dekans erfolgt sein, da auf dem Altar bereits sein Todesdatum aufscheint.

 

1604 bzw. 1606

  • Aufzeichnungen der Pfarrmatriken von St. Andrä in Lienz, zu dessen Seelsorgesprengel das heutige Oberlienz gezählt hat, beginnen. Oberlienz wurde 1785 als Lokalkaplanei selbständig, daher beginnen in diesem Jahr die eigenen Kirchenmatriken.

 

16. Jahrhundert (1500 – 1600)

  • Gegen Ende des 16. Jahrhunderts litt der Raum Lienz unter 2 weiteren Problemen: Der Bergbau war stark rückläufig und der Transithandel nahm ab.
  • Sonnwendfeuer-Abbrennen und Scheibenschlagen (Scheibenschlagen um 1940 in Oberdrum noch durchgeführt) am Sonnwendeck bei Oberlienz

 

1586

  • Tiroler Schulordnung von 1586

 

1580

  • um 1580 waren der Kraml, Moser und Tschelch aus Oberlienz als Robotfischer eingeteilt. Auf Anforderung hatten sie mit „jeger und wadt“ für die Herrschaft auszurücken und für die Tafel mit leckeren Fischen aus Isel und Drau zu sorgen

 

1575

  • Grundherrschaften und Höfe mit Stand 1575: Oberlienz gesamt: 27 Höfe, Oberdrum gesamt: 28 Höfe, Glanz gesamt: 16 Höfe, insgesamt: 71 Höfe

 

1573

  • Tiroler Landesordnung: Die Bauern der Nachbarschaften (Oberlienz, Oberdrum, Glanz) nutzten gemeinsam Wälder, Weiden und Almen, Weiderechte u.s.w. Die Landesordnung schrieb lediglich vor, sie sollten einen Dorfmeister und einen Ausschuß bestellen.
  • Um 1573 lag der Steuerwert aller Liegenschaften in der (Steuer)gemeinde Oberlienz bei 11.509 Gulden, (Steuer)gemeinde Oberdrum 11.126 Gulden und (Steuer)gemeinde Glanz 3.666 Gulden

 

1565

  • Kirchengeschichtliches: Nach dem Aussterben der Görzer Grafen im Jahr 1500 hätte man meinen mögen, es würde nun eine freiere Zeit für die Lienzer Pfarre anbrechen. Aber die Wolkensteiner traten in Bezug auf Präsentation (Vorschlagsrecht) und Verleihung von geistlichen Pfründen nur allzu gründlich ihr Erbe an. Bis 1578 hat nicht ein einziger der investierten Pfarrherren von Lienz im Widum gehaust, die meisten dürften kaum einmal Tiroler Boden betreten haben. Sie kümmerten sich nicht um die ihnen anvertraute Seelsorge, sondern ließen sich durch Gesellpriester und Vikare vertreten. (Lienz unterstand dem Archidiakonat Gmünd in Kärnten)

 

1545-1563

  • Konzil von Trient: Nach dem Konzil von Trient (1545-1563) setzte eine langsame, aber gründliche Erneuerung der Kirche ein. Die Bischöfe waren verpflichtet, Visitationen durchzu­führen und umfassende Berichte von den Pfarrern ein­zufordern.

 

1540

  • Deutsche Schulen, in denen neben Latein auch Deutsch gelehrt wurde, sind erst seit 1540 nachweisbar.

 

1530

  • Gruftkapelle Oberlienz: An der Nordseite der Gruft befin­det sich das Fresko „Weltgericht" mit bereits renaissancehaften Anklängen aus der Zeit um 1530, evtl. einem Kärntner Meister zuzuordnen. Der untere Bildteil war so stark beschädigt, daß er nicht mehr renoviert werden konnte. Unter sinnvoller Einbe­ziehung dieses Freskos vom Jüngsten Gericht wurde bereits nach dem Ersten Weltkrieg ein Kriegerdenkmal geschaffen. Eine ideale Lösung aber wurde erst mit der Denkmalgestaltung durch Georg Reitter (1963) er­reicht.

 

1511

  • Dem System der Landesverteidigung wurde 1511 mit dem berühmten Landlibell ein gesetzlicher Rahmen gezimmert, d.h. die Grafschaft Tirol müsse sich mit Hilfe einer Miliz selbst verteidigen; dafür wären die Tiroler von der Pflicht befreit, an Kriegszügen außerhalb der Landesgrenzen teilzunehmen.

 

 

MITTELALTER

 

15. Jahrhundert Beginn 16. Jhdt.

  • Für die Zeit der Spätgotik, 15. Jahrhundert / Beginn 16. Jahrhundert, ist für das gesamte Territorium der Grafen von Görz-Trol ein reiches architektonisches Schaffen überliefert.

Kirche Oberlienz:

  • Zu den spärlich erhaltenen Werken der Frühzeit, der auslaufenden Hochgotik, gehört der Chor der Pfarrkir­che von Oberlienz. Der im Jahr 1416 geweihte und wohl kurz vorher errichtete Chor wurde aus Tuffstein­quadern aufgebaut und nie verputzt.

 

Mitte des 15. Jahrhunderts:

  • Kirche Oberdrum: Die Kirche St. Georg in Ober­drum birgt eine sehr qualitätvolle Statue Maria mit Kind vom Typus der „Schönen Madonna" aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.
  • Aus Oberlienz und vielen anderen Dörfern verabschiedete sich der Adel im späten 15. Jahrhundert. Seine Burgen verfielen und seine Ansitze wurden allmählich zu bäuerlichen Anwesen umfunktioniert.
  • Gruftkapelle „das Grüftl“: Das „Grüftl", Friedhofskapelle oder Totenkapelle, einem kleinen in ursprünglicher Form vermutlich am Ende des 15. Jahr­hunderts errichteten Bau mit Dreiachtelschluss und zwei einfach getreppten Strebepfeilern, Rundbogenportal mit profilierter Rahmung und umlaufendem Sockel.

 

15. Jahrhundert: (1400 – 1500)

  • Von der sicherlich einst reichen Ausstattung der Gotteshäuser mit Plastiken hat sich aus der Zeit der Gotik nur wenig erhalten. In Privatbesitz (Familie Schneeberger, Oberlienz Nr. 36) befindet sich ein Ast­kreuz vom Beginn des 15. Jahrhunderts in hervor­ragender Qualität. Das Kruzifix, zu dem es im ganzen Bezirk nur wenige Gegenstücke gibt (Lienz, St. Andrä, Sakristei, Schloß Bruck) dürfte sich ursprünglich in einer der Kirchen von Oberlienz/Oberdrum befunden haben.

 

1460/1470

  • Kirche Oberlienz: Aus spätgotischer Zeit besitzen wir im hintersten Joch der Südseite der Pfarrkirche zu Mariä Himmelfahrt in Oberlienz die Darstellung der Gregorsmesse, ein Fresko der Brixner Malschule um 1460/70. Das Gemälde bezieht sich auf Papst Gregor den Großen (540-604), der als einer der bedeutendsten Päpste der Kirchenge­schichte gilt. Mit seinen grundlegenden theologischen Schriften gehört er auch zu den größten Kirchenlehrern des Mittelalters. Ein eigenartiges Bildmotiv, das in der Kunst des deutschen Sprachraumes erstmals im 15. Jahrhundert vorkommt, ist die sog. Gregorsmesse.

 

1450

  • In Urbaren der Burggrafen von Lienz aus der Zeit von 1450 scheint „Grikeldorff" auf, gemeint ist das aus dem amtlichen Sprachgebrauch (nicht dem der Ortsansässigen) verschwundene Gritteldorf.

 

1444 oder 1447

  • In den Jahren 1444 oder 1447 brannte die ganze Stadt innerhalb ihrer Mauern ab. Um die gleiche Zeit wurde die Pfarrkirche St. Andrä in eine gotische Basilika umgebaut. In der Einweihungsurkun­de vom 9. Oktober 1457 wird auch die Ablaßerneuerung für die „Pfarrkiche St. Andreas in Patriarchsdorf alias Lunz" erwähnt.

 

1440

  • Seit 1440 wirkte über ein Vierteljahrhundert der tüchti­ge und eifrige Pfarrer Georg Staudacher in Lienz oder - wie es in seiner Bestellungsurkunde heißt - in der „Pfau zu Oberluenz".

 

1428/1429

  • In ein neues Licht rückt die Kirche Oberlienz in den Jahren 1428/29. Zu dieser Zeit unterstand das Landgericht Lienz dem Graf Johann-Meinhard von Görz. Dieser versuchte nach dem Tod des damaligen Pfarrers Geor­gius Albrechtsperger von St. Andrä in Patriasdorf diese Pfarre für seinen unehelichen Sohn Johann zu erwer­ben. Wie damals häufig üblich, hatte Georgius Alb­rechtsperger nicht in St. Andrä residiert, sondern sich durch einen untergeordneten Priester vertreten lassen. Die Neubesetzung dieser Pfarre und damit die Verlei­hung der reichen Pfründe - um diese handelte es sich vor allem - stand nun der päpstlichen Kurie zu.

 

1416

  • Kirche Oberlienz: Im Jahr 1416 wurden in der Kirche „beata virgine Mariae, Alten Lünz" (altus = hoch gelegen) im erneu­erten Altarraum drei Altäre errichtet. Erzbischof Eber­hard von Salzburg erteilte die Erlaubnis sie einzuwei­hen.

 

1350

  • um 1350 europaweit grassierende Pest.

 

1339

  • Ab 1339 waren die Görzer als Pfalzgrafen des Herzogtums anerkannt, seit 1356 galten sie als Reichsfürsten. Die Görzer gerieten diesseits und jenseits der Berge in das Visier zweier aufsteigender Regionalmächte – die Republik Venedig und die Habsburger

 

1308

  • Der 1308 erwähnten Marienkirche zu Oberlienz ist ver­mutlich ein Steinrelief mit der Darstellung der Gottes­mutter mit dem Jesukind zuzuordnen, von der eine Fotografie besteht, aufgenommen mit weiteren „Relik­ten" um 1880 beim östlichen Eingang in den Friedhof. Heute befindet sich die Darstellung in einer Nische des Burghofes von Summersberg in Gufidaun im Eisack­tal.

 

1300

  • Um 1300 und eine Zeit danach war der Name Mitteldorf die bevorzugte Bezeichnung für die sich um die Kirche Mariä Himmelfahrt (Kirche Oberlienz) scharende Siedlung. Erst nach und nach wird er als Ortsname durch Oberlienz abgelöst. Im 15. Jahrhundert herrscht bereits die geographische Ansprache Oberlienz vor. Mitteldorf verschwand später aus dem Sprachgebrauch der Menschen. Lienz, die Stadt, sollte zur Namenspatronin von Oberlienz werden. Der Name Glanz tritt uns, mit dem Görzer Urbar, zum ersten Mal in einer schriftlichen Quelle entgegen. Es gibt mehrere Dörfer mit dem Namen Glanz. Glanz ist überall dort, wo einst die Slawen gehaust und ihr Vieh geweidet haben.
  • Dem kunstgewerblichen Bereich ist der Glockenguß zuzuordnen. In der Pfarre Oberlienz sind die ältesten Glocken im Bezirk Lienz erhalten. Die ältere Glocke, aufgrund der Nennung der vier Evangelisten eine typi­sche Wetterglocke, ist um 1300 entstanden. Die zwei­te, etwas kleinere Glocke, dem 14. Jahrhundert angehörend, zeigt die Inschrift „0 REX CHRISTE VENI CVM PACE", wobei die Buchstaben mehrfach ver­wechselt und verdreht sind. Bei älteren Glocken kommt es vielfach vor, daß die Inschriften nicht korrekt sind, was darauf zurückzuführen ist, daß die Glockengießer oft nicht lesen und schreiben konnten, sondern sich nach vorgegebenen Schriften richteten, die sie nicht verstanden, bloß kopierten. Man weiß nicht, wo und von wem die Glocken von St. Helene gegossen wor­den sind, eventuell von einem der wandernden Gießer, die mehrfach nachzuweisen sind.

 

13. Jahrhundert – letztes Viertel

  • Kirche Oberdrum: Bei der Restaurierung der St. Georgskirche in Ober­drum (1991/94) stieß man auf der aus noch romani­schem Mauerwerk bestehenden Westfassade über dem rundbogigen Eingang auf eine frühgotische gemal­te Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes, im unte­ren Teil leider etwas zerstört. Vom Aufbau und der kräftigen Farbigkeit her könnte das Fresko, das in das letzte Viertel des 13. Jahrhunderts zu datieren ist, von der selben Hand stammen wie die Kreuzigung an der Außenseite der St. Michaelskirche in Lienz.

 

13. Jahrhundert: (1200 – 1300)

  • Kirche Oberdrum: Der frühmittelalterliche Bau dürfte nach einem Brand abgetragen worden und durch einen neuen, größeren, in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ersetzt wor­den sein. Die lichten Maße (Innenmaße) waren mit 11,95 x 7,45 m nun erheblich größer. Das aufgehende Mauerwerk ist im gesamten Kirchenschiff noch erhal­ten, da es in den spätgotischen Bau einbezogen wor­den ist. Wie der Vorgängerbau besaß auch die romani­sche Kirche eine Rundapsis.
  • Kirche St. Helena (Helenenkirche: Die dritte große Kirche in der Pfarre Oberlienz, St. Helene, steht auf einer steilen Rückfallkuppe hoch über dem Talboden zu Füßen des Schleinitzmassivs. Der Sage nach wurde die Kirche von den Görzer Grafen zur Sühne für eine begangene Untat errichtet. Die Kir­chenpatronin, die heilige Helena, ist auf jeden Fall eher der adeligen, nicht der bäuerlichen geistigen Umwelt zuzurechnen. Die Kirche St. Helena gehört - entgegen verschiedenen Vermutungen - der Gründungsbau dem 13. Jahrhundert an. Diese romani­sche Anlage besaß eine lichte Länge (Innenmaß) von ca. 6,7 m und eine lichte Breite von mindestens 5,7 m im Schiff, an das sich der quadratische Chor mit den lichten Maßen von 2,80 x 2,80 m anschloß. Der roma­nische Bau wurde in der auslaufenden Gotik wesent­lich verändert.

 

1299

  • Schriftstück wo Oberdrum als Flurname bezeichnet ist. Erst im Spätmittelalter als Ortsnamen verfestigt.

 

1267 u. 1271

  • teilten die beiden Brüder Meinhard IV. von Görz und Albert I. ihren angestammten Herrschaftsbesitz und die Ländereien, als Grenzscheide vereinbarten sie die Mühlbacher Klause. Das Haus Görz verzweigte sich in 2 Linien: In die „tirolische“ oder meinhardische und in die „görzische“ oder albertinische. Der meinhardinische Zweig der Görzer erlosch im Mannesstamm 1335 mit dem Tod von König Heinrich und im Frauenstamm 1369 mit dem Tod Margaretas „Maultasch“ der Erbtochter Heinrichs. Die albertinische Linie konnte biologisch länger überdauern; sie starb 1500 mit Graf Leonhard aus.

 

1247

  • Kirchengeschichtliches: Laut einer Urkunde von 1391 bestätigt Erzbischof Pilgrim von Salzburg Ablässe, die vom Erzbischof und elf anderen Bischöfen bereits früher für die „Kapelle der heiligen Jungfrau Maria in Oberlienz" gewährt worden sind. Der Chronist Jakober versteht unter „elf anderen Bischöfen" eine geschlos­sene Reihe von Vorgängern und kommt somit auf das Jahr 1247 für die erste Verleihung der Ablässe.

 

1206

  • die Kirche Oberdrum wird erstmals urkundlich erwähnt.

 

12. Jahrhundert: (1100 – 1200)

  • frühes 12. Jahrhundert. Grafen von Görz. Die Görzer sind dem bayrischen Hochadel zuzurechnen.Von 1142 Tod Meinhard I. bis 1500 Graf Leonhard verschied, zählen Historiker 9 Generationen.

 

1100 bis 1200:

  • es müssen starke Kontingente von Bayern zugewandert sein, denn spätestens im 12. Jahrhundert waren das Romanische u. Slawische als Umgangssprachen ausgestorben.
  • Kirche u. Schule: In der 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts entstanden die Domschulen. Ihre Aufgabe war die Ausbildung der Priester, die rein praktisch ausgerichtet war.

 

1113

  • Schleinitzbergsturz: von 1113ist eine Erfindung von Beda Weber 1838 u. Johann Jakob Staffler 1847 und nicht wahr, sämtliche Fundstücke von viel früherer Zeit wurden stets knapp unter der Erdoberfläche gefunden.

 

1000

  • um das Jahr 1000 zeichneten sich im heutigen Osttirol jene herrschaftlichen Ordnungen und Strukturen ab, die in die Zukunft wirken sollten.
  • Kirchengeschichtliches: Die Filialkirche zum hl. Georg in Oberdrum weist nicht ein so hohes Alter auf wie die Pfarrkirche. Der als Apsi­densaal konzipierte Gründungsbau ist aber immerhin in das 10. Jahrhundert zu datieren und dürfte auf ein­en romanischen Grundbesitzer zurückgehen, der das Gotteshaus als Begräbnisstätte gestiftet hat. Die Innen­maße des unregelmäßig gebauten Kirchenschiffes betrugen zwischen 6,45 m und 6,60 m in der Länge und 4,8 m in der Breite. Daran schloß sich im Osten ein eingezogener Rundbogenchor an.

 

811

  • Das ganze Gebiet entlang der Drau war zunächst ein Missionsgebiet, auf das der Patriarch von Aquileia ebenso Anspruch erhob wie der Metropolit von Salzburg. Der langwierige Streit wurde schließlich von Kaiser Karl dem Großen entschieden. Er legte 811 in Anwesenheit der beiden Erzbischöfe fest, die Drau solle die Grenze beider Missionsgebiete sein. So blieb die Drau bis 1782 Diözesangrenze.

 

800

  • Im Bereich der Kirche Oberlienz zu Mariae Himmelfahrt blieb das Kultkontinuum gewahrt, wenn im frühen Mittelalter (um 800 n. Chr.) dieses Gotteshaus durch einen teilweisen Neubau ersetzt worden ist. Während die Nordwand beibehalten worden ist, ersetzte man die alte Rundap­sis durch einen Rechteckchor, dessen Seitenlänge (Innenmaß) ca. 5,2 m betrug. Von diesem Bau sind eini­ge Fragmente marmorner Chorschrankenplatten erhal­ten geblieben.

 

8. u. 9. Jahrhundert n. Chr.

  • Eine besondere Rolle für die historische Bedeutung von Oberlienz im 8./9. Jahrhundert n. Chr. kommen den von Sydow in der Kirche von Maria Himmelfahrt geborge­nen sogenannten Flechtwerksteinfragmenten aus Mar­mor zu.

 

 

ANTIKE

 

 

6. Jahrhundert n.Chr. :

  • Ausgrabungen im „Lamprecht Garten“
Eine vergoldete Silberwirbelfibel mit Almandineinlagen fand sich im Schaftbereich (Dia­physe) des rechten Oberschenkels. Ein formal sehr ähnliches Stück lag zusammen mit einer S-Fibel, Glas­perlen, einem Armreif und einem Messer aus Eisen in einem langobardenzeitlichen Frauengrab des 6. Jh. n. Chr. in der Nekropole von Krain/Kranj in Slowenien.

 

5. bis 6. Jahrhundert n.Chr.

  • Die Frage, warum in Oberlienz zwei frühchristliche Kir­chen stehen, könnte nach Glaser im Nebeneinander von arianischer und katholischer Gemeinden unter ostgoti­scher Herrschaft begründet liegen

 

400 – 500 n. Chr.

  • Bei Grabungsarbeiten im Presbyterium der Pfarrkirche Oberlienz, die 1987 von der archäologischen Abteilung des Denkmalamtes durchgeführt wurden, entdeckte man die Grundmauern einer frühchristlichen Kirche des 5. Jahrhunderts.
Gefunden wurden die Grundmauern eines frühchristlichen ein­schiffigen Baues vermutlich der 1. Hälfte des 5. Jahr­hunderts, an den zeitlich ein frühmittelalterlicher Bau anschloß. Das Patrozinium zu Mariä Himmelfahrt weist an sich auf ein hohes Alter und ist der Gruppe typisch frühchristlich-spätantiker Patrozinien zuzurechnen. Der spätantike Bau in einem von Aquileia beeinflussten Typus besaß eine Gesamtlänge von mehr als 10 m, eine lichte Breite von 8,6 m und eine leicht eingezogene Rundapsis mit einer freistehenden Priesterbank.

 

400 n.Chr.

  • nach Sydow erfolgte die Christianisierung der Aguntum benachbarten Dörfer nicht viel später als 400.

 

spätes 4. Jahrhundert n.Chr. 300 – 400 n.Chr. = Archäologie:

  • Fund 3 Bronzemünzen aus dem späten 4. Jahrhundert, gefunden im Lamprechtgarten 1988

 

320 – 400 n.Chr.

  • Onuphrius der Große (* um 320 in Äthiopien, † um 400 vermutlich in Syrien) ist ein Heiliger, sein Gedenktag ist der 12. Juni. Er soll vom Vater verstoßen worden sein und 70 Jahre in der Wüstenei zugebracht haben. (O Nr. 9.3. Heilige)
In St. Helene ist ein Ölgemälde besonders hervorzuhe­ben, da es einen in unseren Breiten kaum bekannten Heiligen darstellt, den Einsiedler Onuphrius. Der from­men Legende nach wurde er als Sohn eines persischen oder äthiopischen Königs im frühen 5. Jahrhundert ? geboren

 

200 – 300 n. Chr.

  • bis auf die Reste eines Grabmonumentes aus Marmor gefunden in der Pfarrkirche Oberlienz nur wenige Realien überliefert.

 

100 n Chr.

  • Teil Grabstein, war lange Zeit in der Kanzel der Kirche Oberdrum eingemauert einziges römisches Schriftzeugnis im Gemeindegebiet.

 

41 – 54 n. Chr.

  • As = römische Münzeinheit (dargestellt Kaiser Claudius) – Bronzemünze die beim sogenannten „Steinerschen“ Hausbau gefunden wurde, Kramer Oberlienz 31.

 

16/15 v. Chr.

  • friedliche Einverleibung unseres Bezirkes durch die Römer

 

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